Brot im „alten“ Rom – weit mehr als „panem et circensis“
Es ist ein großes Wagnis, über Rom und Brot in Kurzform zu schreiben, denn es ist ein so umfangreiches Themengebiet, welches kaum in den Griff zu bekommen ist. Rom hat das Brot ins politische Machtzentrum gehievt und war das Machtinstrument der politischen Kräfte schlechthin. Wer den Zugriff auf Brot und daneben natürlich auch auf das Getreide hatte, war in der Folge mit einer fast unumschränkten Machtfülle ausgestattet. Aber wie führte der Weg des Brotes in Rom letztendlich dorthin?
Die Griechen und das Leiden des Samenkorns
Einführung
Wenn wir uns die Geschichte des Brotes bei den alten Griechen (Hellenen) als Maßstab für die gesellschaftliche Entwicklung nehmen, dann wird uns erst richtig bewusst, wie die Menschen die Natur und ihre Phänomene in ihre Entscheidungen eingebunden und gedeutet haben. Als die Menschheit dazu übergegangen ist, die Naturphänomene nicht nur zu deuten, zu verehren durch kultische Handlungen zu beeinflussen bzw. zu bannen, sondern sie zu personifizieren und ihnen ganz spezielle übermenschliche Kräfte und Eigenschaften zuzuschreiben, war ein besonderer Paradigmenwechsel im Zivilisationsprozess vollzogen. Dieser Wechsel vollzog sich über einen sehr langen Zeitraum und war regional sehr unterschiedlich. Von daher stammt von den Archäologen wahrscheinlich auch der Begriff „Hochkulturen“, weil es eben schon in grauer Vorzeit Volksgruppen gegeben hat, welche besondere Organisationsformen und über besondere Erkenntnisse über die Phänomene der Natur hatte.
Die ersten Bäcker waren im alten Ägypten zu Hause
Der Nil – das göttliche Geschenk an die Ägypter
Das alte Ägypten steht für viele bedeutsame menschliche und soziale Errungenschaften. Auch die Erfindung des Backens wird diesem Volke zugeschrieben. Wir wissen es aber nicht genau, ob in Ägypten tatsächlich die Wiege des Brotes stand. Fest steht, dass diese einstige Hochkultur von Beginn an, bis hin zu ihrer Blütezeit, geprägt und bestimmt war, von den überwältigenden Auswirkungen des Nils. Die jährlichen Überschwemmungen mit dem über hunderte von Kilometern angereicherten Schlamm, waren dafür verantwortlich, dass im unteren Verlauf des Nils wertvollstes Erdreich wirtschaftlich genutzt werden konnte.
H. E. Jakob - Kurzbiografie
Geb. am 7. Oktober 1889
als Henry Edward Jacob
in Berlin-Friedrichstadt;
gest. am 25. Oktober 1967 in Salzburg
war Journalist und Schriftsteller.
Die Legende vom Pflug

Vorwort
Im 19. Jahrhundert hatte Gustave Tarde (franz. Soziologe) noch gelehrt, dass Kultur durch Nachahmung entsteht. Wenn wir davon ausgehen, dass Kultur die bewusste, systematische und gezielte Nutzbarmachung und Veränderung der Natur in einem neu organisierten Raum durch den Menschen ist, dann müssen wir unbedingt berücksichtigen, dass es der Menschheit über Jahrtausende gelungen ist, nicht nur durch Beobachtung, sondern durch Verknüpfung von Beobachtungen zu neuen Erkenntnissen zu kommen.
Laut Jakobs lehren uns die frühesten Pflugformen in Mooren und in Pfahlbauten, wie die Wirklichkeit früher aussah und sich entwickelte. Die folgenden Beschreibungen geben Aufschluss, welche besonderen Merkmale für die damalige Geschichte der Menschheit bestimmend waren. Die intellektuelle Welt im ausgehenden 19. Jahrhundert vertrat damals die Ansicht, dass sich die Wirklichkeit auf Zeitstrecken abspielt, wo der menschliche Geist nicht mehr in der Lage ist, diese als Sachbericht darzustellen. Und so kam es noch in vielen Bereichen zur Legendenbildung. Laut Jakobs erfinden die Legenden nichts, sie drängen lediglich zusammen und bedeuten eigentlich eine „Lese-Anweisung“.
Die Geschichte der Menschheit nach Jakobs
Die Geschichte der Menschheit wird bei Jakobs, fast ein bisschen naiv für die heutige Zeit, wie folgt beschrieben: In ältester Zeit war der Mensch Jäger. Sein Jagdglück war sein Schicksal. Bald aber lernte er das Feuer beherrschen und somit das Fleisch durch die Berührung mit dem Feuer haltbarer zu machen. Nach einigen Tagen war der Vorrat aber wieder aufgebraucht und neuerdings hing das Schicksal am Jagdglück. Die nächste Entwicklungsstufe war die Domestizierung der Tiere. Nicht töten wurde zum primären Ziel, sondern einfangen. Dabei war eine weitere Erkenntnis von großer Bedeutung, dass männliche und weibliche Tiere gefangen werden mussten, um für den notwendigen Nachwuchs zu sorgen. So wurde der Sohn des Jägers Hirte. Er konnte die verschiedenen Verhaltensweisen der domestizierten Tiere beobachten, dass sie die verschiedenen Früchte der Erde aßen und Früchte von den Bäumen rissen. Nun beginnt die erste Arbeitsteilung innerhalb der Sippe. Der alte Jäger wird zum Hirten, der kräftige Sohn zum Jäger. Und dann kamen die Frauen ins Spiel und wurden mächtiger als die Männer. Sie beobachteten nicht nur den Werdegang der Samen und Saaten, sondern sie erkannten auch die Kräfte der Kräuter und Pflanzen. Die heilbringenden bis furchterregenden Naturerscheinungen wurden mit besonderem Augenmerk verfolgt und mit den anderen Naturbeobachtungen verglichen und bewertet. Um die Angst und die Ohnmacht zu überwinden, hat man gegorenen Zucker, der aus der Rinde der Bäume hervortrag, gekaut, und sich so in einen Rauschzustand zu begeben. Die gegorenen Getränke wurden auch bei Verehrungsritualen gegenüber den Naturelementen getrunken.
Die Legende von der Erfindung des Pfluges
Und dabei soll einmal folgendes passiert sein: Im Übermut nahm ein Mann eine Hacke und schlug sie so fest ins Erdreich, dass sie niemand mehr herauszerren konnte. Während alle staunten, nahm der Hausherr einen seiner Stiere und band ihn mit einer unzerreißbaren Faser an die Hacke. Der Stier zog eine tiefe lange Furche ins Erdreich. Schlussendlich richtete der Stier sein Haupt zur Sonne und brüllte, dass die Enden des Himmels erzitterten. Die Anwesenden bekamen Angst, und der Hausherr trennte den Stier wieder von der Hacke. Am nächsten Tag wollten die Männer die Furche wieder zuschütten, um sich mit dem Naturelement Erde zu versöhnen. Aber die Frauen hinderten sie daran. Sie wollten die vielen Mannessamen in den Schoß der Erdmutter legen. Die Erdmutter segnete diejenigen, die geholfen hatten, die Fruchtbarkeit zu steigern. Alles wuchs höher, grüner und ertragreicher. Die Menschen küssten und heiligten die Hacke als Wunderwerk. Der Pflug beschäftigte aber bei allen Kulturen weiterhin die geschlechtliche Fantasie der Menschen. Die Menschen, mit ihren damaligen Denkmustern (das Denken in Analogien), verglichen die Art, wie der Pflug in die Erde eindrang, mit dem Geschlechtsakt der Menschen. Die Griechen glaubten, dass die Erde eine, der vielen Geliebten des Zeus sei. Die eifersüchtige Erde rächte sich aber und nahm sich „Jasion“ zum Geliebten. Ein erzürnter Zeus erschlug darauf Jasion mit dem Blitz. Aber die Nachkommen des Jasion hörten nicht auf die Erde zu verehren und zu lieben, und sie mit dem „Aratron“, dem Pfluge, zu begatten.
So, sagt die Legende, erfand der Mensch den Pflug, eine der größten Errungenschaften der Menschheit.

